{"id":1551,"date":"2013-01-21T03:49:07","date_gmt":"2013-01-21T08:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/ostadelahi.com\/?page_id=1551"},"modified":"2023-03-01T14:06:24","modified_gmt":"2023-03-01T19:06:24","slug":"descartes-und-ostad-elahi","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/philosophie\/artikel-interviews\/descartes-und-ostad-elahi\/","title":{"rendered":"Descartes und Ostad Elahi"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-bottom:0px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><strong>Descartes und Ostad Elahi \u2013 Philosophie, spirituelle Wissenschaft und Medizin der Seele<\/strong><br \/>\n<em>Der vorliegende Artikel beruht auf einem Vortrag von Elie During, Hochschullehrer der Philosophie an der Universit\u00e4t Paris West \u2013 Nanterre, den er im Rahmen des 26. internationalen Kongress der Philosophie der franz\u00f6sischen Sprache (ASPLF) gehalten hat. Der Text erschien in \u201eL\u2019esprit cart\u00e9sien\u201c, Paris, Vrin, 2000.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 22px; margin: 0 0 10px; display: block;\">Einf\u00fchrung<\/span><\/p>\n<p>Es ist der metaphysische Ansatz, der zugleich Anlass und Rechtfertigung f\u00fcr die \u00fcberraschend anmutende Gegen\u00fcberstellung zweier Denker ist, deren Jubil\u00e4en \u2013 das vierhundertj\u00e4hrige des einen, und das hundertj\u00e4hrige des anderen \u2013 wir im selben Jahr begehen. Um es kurz zu fassen: Das, was Ostad Elahi die \u201anat\u00fcrliche\u2019 Spiritualit\u00e4t und Ethik nannte, l\u00e4sst sich nicht trennen von einer positiven Konzeption metaphysischer Gegebenheiten, sprich einer Form des spirituellen Realismus, f\u00fcr den in der Vergangenheit genau genommen in erster Linie ebenjener Descartes stand. Alles h\u00e4ngt davon ab, wie wir sehen werden, ob wir bereit sind, unsere herk\u00f6mmliche Auffassung der Wirklichkeit und, im Besonderen, der Sache (res) neu zu konzipieren.<\/p>\n<p>Aber lassen Sie mich zun\u00e4chst die Frage stellen, welche Gemeinsamkeiten es zwischen diesen beiden Denkern gibt, die drei Jahrhunderte voneinander trennen? Auch wenn sie selbstredend beide Philosophen sind, sind sie doch mehr als nur das: Descartes war Mathematiker und Wissenschaftler ersten Ranges, Ostad Elahi war Richter, Musiker und zudem ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Mystiker. Worauf ich besonders eingehen werde, ist die philosophische Dimension der beiden Figuren, die nichtsdestotrotz in sehr unterschiedlichen Traditionen verankert sind: Zu den impliziten philosophischen Referenzen, auf die sich Ostad Elahi bezieht, geh\u00f6ren einerseits Platon, Aristoteles und Plotin, andererseits Avicenna, Suhrawardi und Mulla Sadra. Zugleich weist sein Gedankensystem erstaunlicherweise viel mehr \u00c4hnlichkeit mit der Philosophie von Leibniz als mit der von Descartes auf.<\/p>\n<p>Folglich muss man streng genommen zun\u00e4chst festhalten, dass Ostad Elahi insofern kein Cartesianer ist, als sich in seinem Denken keine Ankl\u00e4nge zur Lehre oder zur philosophischen Bewegung des Cartesianismus finden. Aber wenn wir heute dar\u00fcber sprechen \u2013 und das Thema dieses Symposiums handelt schlie\u00dflich vom \u201acartesianischen Geist\u2019 \u2013, dann ist es nicht reiner Willk\u00fcr geschuldet, Descartes und Ostad Elahi einem Vergleich zu unterziehen. Denn etwas von jenem Geist, jenem cartesianischen Stil, findet sich auch bei Ostad Elahi, so dass sich das Ganze auf die einfache Formel bringen l\u00e4sst: Ostad Elahi ist cartesianisch, ohne Cartesianer zu sein.<\/p>\n<p>Die Analogien in beiden Gedankensystemen beziehen sich daher nicht so sehr auf spezielle Bereiche innerhalb des jeweiligen Lehrgeb\u00e4udes, als vielmehr auf eine grunds\u00e4tzliche philosophische Orientierung, das hei\u00dft auf eine Gemeinsamkeit ihrer jeweiligen Interessensanliegen. Ziel dieser Ausf\u00fchrungen ist es, eine bestimmte Affinit\u00e4t zwischen zwei philosophischen Denkern herauszustellen, die sich beide im \u201eProjekt einer universalen Wissenschaft, die unsere Natur auf den h\u00f6chsten Grad der Vollkommenheit erheben kann\u201c, wiederfinden \u2013 diese Formulierung hatte Descartes zun\u00e4chst als Buchtitel f\u00fcr das erwogen, was er schlussendlich \u201eMeditationes de prima philosophia\u201c [Meditationen \u00fcber die Erste Philosophie] nannte. Wenn sich aber das Ziel unserer Untersuchung auf die Natur des Menschen und seine Vervollkommnung richtet, kommen wir nicht umhin, uns mit der Seele selbst bzw. der Seele, die sich im K\u00f6rper befindet, auseinanderzusetzen. Das ist der Punkt, auf den unsere Analysen abheben m\u00fcssen, wollen wir uns nicht mit Allgemeinpl\u00e4tzen zufriedengeben. Gerade an diesem Punkt treten im \u00dcbrigen auch Unterschiede und \u00c4hnlichkeiten in den Gedankensystemen zutage und die geistige Verwandtschaft bzw. die \u00dcberschneidung zweier eigenst\u00e4ndiger Denkans\u00e4tze wird sichtbar.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 22px; margin: 0 0 10px; display: block;\">Die Seele<\/span><\/p>\n<p>Ostad Elahi stellt definitiv nicht die Frage nach dem Leben, das hei\u00dft nach der Belebung eines K\u00f6rpers, der das Leben als Potential in sich tr\u00e4gt. Diese Frage ist tats\u00e4chlich von ihm vorweg durch die Erw\u00e4hnung und Bezeichnung der \u201ebascharischen\u201c Seele (Baschar in der Bedeutung vom Mensch als Spezies) gekl\u00e4rt worden. Dass der K\u00f6rper per se belebt ist, darf als grunds\u00e4tzliches und selbsterkl\u00e4rendes Konzept gelten. Der K\u00f6rper, das ist die stoffliche H\u00fclle, die von einer tierisch-menschlichen Seele belebt ist und ihn dadurch zu einem lebendigen Wesen macht. Das eigentliche Problem ist daher zu wissen, was mit der engelhaften Seele geschieht, die der \u00dcberlieferung zufolge dem g\u00f6ttlichen Odem entstammt und sich mit dem K\u00f6rper vereint. Dieser \u201eTrialismus\u201c (ein K\u00f6rper, zwei Seelen) von Ostad Elahi weist daher noch deutlicher als bei Descartes die Frage nach der Kommunikation der Substanzen zur\u00fcck, da sich eigentlich alles in der Verbindung der beiden Seelen, die von gleicher spiritueller Natur sind, abspielt.<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem beginnt, wenn wir diese Vereinigung, genauer gesagt, diese Hypothese der Vereinigung, als wahr anerkennen. Nun geht es nicht mehr darum zu wissen, wie die jeweiligen Substanzen, die g\u00e4nzlich voneinander getrennt zu sein scheinen, miteinander kommunizieren, sondern vielmehr darum, zu verstehen, wie sich die beiden Elemente in dieser Beziehung wandeln und welcher Austauschlogik \u2013 die als Leitprinzip jedwedem ethischen und spirituellen Leben zugrunde liegt \u2013 sie folgen. Eine Theorie der Seele hat folglich die Aufgabe, das Spiel der Wechselwirkungen, das \u201aVerschmelzen\u2019 zu beschreiben, das sich im spirituellen Raum ereignet, so dass Ereignisse, Entwicklungen und Prozesse Gegenstand einer philosophischen Beschreibung werden k\u00f6nnen \u2013 \u00e4hnlich dem Vorgehen in Anatomie und Medizin. Im Grunde sind es gerade Sinn und Bedeutung der Inkarnation, die im Zentrum der Betrachtung stehen. Und sowohl bei Descartes als auch bei Ostad Elahi ist es gerade die Frage nach den Leidenschaften, die das falsche Problem der Vereinigung [mehrerer Substanzen] in ein echtes ethisches und spirituelles Problem transformiert.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 22px; margin: 0 0 10px; display: block;\">Ein spiritueller Topos<\/span><\/p>\n<p>Lassen Sie mich im Vorliegenden davon ausgehen, dass die cartesischen Positionen bekannt sind. Infolgedessen wird die Gegen\u00fcberstellung, der wir nachgehen m\u00f6chten, vorwiegend implizit sein und Descartes wird darin im Vergleich zu Ostad Elahi nur eine untergeordnete Rolle spielen. Letzterer legt erheblichen Wert darauf, den Mechanismus der Leidenschaften im Rahmen einer Theorie der Vervollkommnung der Seele in seiner Bedeutung n\u00e4her zu erl\u00e4utern. Wie genau aber funktioniert dieser Mechanismus?<\/p>\n<p>Ich kann den spirituellen Topos, den Ostad Elahi im Rahmen der Vereinigung errichtet, hier nur andeutungsweise skizzieren. Daher einige Stichworte, die streng genommen, mehr Zeit ben\u00f6tigen w\u00fcrden, um n\u00e4her erl\u00e4utert zu werden:<\/p>\n<p>\u00ad- Das Selbst des gew\u00f6hnlichen Bewusstseins, das an der Verbindungsstelle von K\u00f6rper und Seele auftritt, also zwischen tierisch-menschlicher und engelhafter Seele \u2013 es ist dies das eigentliche oder metaphysische Selbst.<\/p>\n<p>\u00ad- Das Herrschs\u00fcchtige Selbst, das keine substantielle Existenz besitzt, aber aus einer Ungleichgewichtsfunktion heraus agiert und auf die Seele das Bild ungez\u00fcgelter animalischer Instinkte projiziert (was Descartes mit \u201eInklination\u201c bezeichnet).<\/p>\n<p>\u00ad- Die spirituelle Willenskraft oder St\u00e4rke der Seele in Verkn\u00fcpfung mit dem himmlischen Intellekt. (Descartes w\u00fcrde sagen: \u201ereflexiver Wille in Verbindung mit Vernunft\u201c). Diese beiden an sich spirituellen Instanzen sind verantwortlich f\u00fcr die Regulierung oder den richtigen Gebrauch der Leidenschaften, sie bilden das Herzst\u00fcck der Ethik und werden bei Ostad Elahi in ihrer vollendeten Form als \u201eAufrichtigkeit\u201c (oder \u201efester und aufrichtiger willentlicher Entschluss\u201c) bezeichnet bzw. bei Descartes als \u201eGro\u00dfz\u00fcgigkeit\u201c \u2013 wobei es nat\u00fcrlich keinen Sinn machen w\u00fcrde, diese beiden Konzepte als vollkommen identisch anzusehen.<\/p>\n<p>Im Zentrum dieses spirituellen Topos steht das Herrschs\u00fcchtige Selbst und alles, was damit einhergeht an K\u00e4mpfen und Machtspielen, an Druck und Gegendruck. Entgegen allen Normvorstellungen, die bez\u00fcglich Askese herrschen, betont Ostad Elahi wiederholt, dass wir den K\u00f6rper oder das Herrschs\u00fcchtige Selbst nicht schw\u00e4chen, sondern vielmehr die Seele st\u00e4rken sollten, so dass sie den Ausschreitungen [des Herrschs\u00fcchtigen Selbst] gewappnet ist und stets ihr Gleichgewicht und ihre Balance bewahrt.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 22px; margin: 0 0 10px; display: block;\">Der Grundprozess: Eine osmotische Beziehung<\/span><\/p>\n<p>Wie aber l\u00e4sst sich die Vereinigung [von K\u00f6rper und Seele] in eine spirituelle Zielsetzung integrieren? Wie ist das Werden der Seele im Rahmen der Vereinigung zu verstehen? Neben den schon genannten Elementen (engelhafte Seele, bascharische Seele, Herrschs\u00fcchtiges Selbst) sind an dieser Stelle weiter anzuf\u00fchren die verschiedenen Charaktermerkmale (Seelenarten, spirituellen Kapazit\u00e4ten, Entwicklungsstufen), die Pathologie (St\u00f6rungen, Krankheiten der Seele) sowie selbstverst\u00e4ndlich die Physiologie [der Seele]. Ostad Elahi versteht diese Begriffe durchaus im Sinne der medizinischen Wissenschaften, das hei\u00dft, im Sinne einer Theorie der nat\u00fcrlichen Funktionsweise der Vereinigung [von K\u00f6rper und Seele].<\/p>\n<p>Dort, wo nun Descartes ein mechanisches, sich auf die Regulierung der Leidenschaften (durch Einsatz von Kraft, Druck und Gegendruck) beziehendes Modell vorschl\u00e4gt, entwirft Ostad Elahi ein Modell biologischer bzw. medizinischer Art, das der Osmose. Zwischen K\u00f6rper und Seele befindet sich eine osmotische Membran, die den Austausch von Substanzen zwischen den beiden Teilen des Selbst regelt. Es ist nun die Aufgabe der Seele (wie bereits erw\u00e4hnt, mithilfe der transzendenten Willenskraft und dem himmlischen Intellekt), die Sensitivit\u00e4t dieser Membran zu kontrollieren, um eine perfekte Beziehung zwischen ein- und austretenden Elementen herzustellen. Indem man nun die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit dieser osmotischen Beziehung [erkennt und] steuert, wird der Zweck der Vereinigung [von K\u00f6rper und Seele] im Rahmen des allgemeinen Prozesses der Vervollkommnung tats\u00e4chlich erst erkennbar. An dieser Stelle wird meines Erachtens die Originalit\u00e4t von Elahis Theorie der Vereinigung am deutlichsten sichtbar, was ich im Folgenden in wenigen S\u00e4tzen zusammengefasst veranschaulichen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die engelhafte Seele in ihrem urspr\u00fcnglichen Zustand ist rein. Will man die G\u00f6ttlichkeit mit einem unendlichen Ozean vergleichen, so erkl\u00e4rt Ostad Elahi, w\u00e4re die engelhafte Seele als das \u00c4quivalent reinsten, destillierten Wassers zu begreifen. Das Wasser selbst tr\u00e4gt demzufolge noch nicht den Reichtum der Zusammensetzung des g\u00f6ttlichen Ozeans in sich; es wurde ihm lediglich die Gelegenheit gegeben, durch sukzessive Aufenthalte in menschlichen Leben (durch die Verschmelzung mit dem physischen K\u00f6rper) die \u201aQualit\u00e4ten\u2019 des Ozeans zu erwerben. Das wiederum ist gerade deshalb m\u00f6glich, weil die Grundbestandteile dieser \u201aQualit\u00e4ten\u2019 im \u00dcberfluss im menschlichen K\u00f6rper vorhanden sind. Der gesamte Prozess der Vervollkommnung besteht im Grunde darin, die Elemente, die im \u00dcberma\u00df im \u201aTier-Menschen\u2019 vorhanden sind, in optimaler Menge [durch die Membran] in die engelhafte Seele passieren zu lassen. Am Ende dieses Prozesses entwickelt die Seele eine Natur, die der des g\u00f6ttlichen Ozeans gleicht; sie wird wahrhaftig ein Wassertropfen dieses Ozeans und kehrt an ihren Ursprung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Um aber jegliche Missverst\u00e4ndnisse (bedingt durch eine naive Interpretation dieser Metapher) zu vermeiden, sollte folgendes klargestellt werden: Wenn vom K\u00f6rper gesprochen wird, handelt es sich tats\u00e4chlich stets um die bascharische Seele. Aus diesem Grund sind die Qualit\u00e4ten und Wirkungen, die die Seele in ihrer Verbindung mit dem K\u00f6rper sucht, Eigenschaften psychologischer Natur (\u201eSpuren\u201c und \u201eWirkungen\u201c d\u00fcrfen nicht im Sinne der Scholastik als \u201eEinpr\u00e4gungen der jeweiligen Spezies\u201c verstanden werden).<\/p>\n<p>In dieser Physik oder Medizin der Seele ist die Ethik weniger im klaren Bewusstsein um ein moralisches Gesetz begr\u00fcndet, als vielmehr in einer Willensanstrengung, die darauf abzielt, die Seele zu st\u00e4rken und im Rahmen des Vereinigungsprozesses ihre vollkommene Meisterschaft zu erlangen. Das h\u00f6chste Ziel dieses Prozesses \u2013 und somit auch der osmotischen Beziehung \u2013 ist die Umwandlung der Seele, deren Beschaffenheit sich sozusagen in die des G\u00f6ttlichen transformieren muss. Die \u201eVerg\u00f6ttlichung des Menschen\u201c, um es mit Platon auszudr\u00fccken, geschieht folglich durch die Alchemie der Vereinigung, durch eine Art Destillation, die aus dem K\u00f6rper selbst und damit aus der Materie das bezieht, was der Seele fehlt, damit sie dem G\u00f6ttlichen \u00e4hnlich werden kann. In Hinblick auf die theologische Relevanz dieser These ist es nicht \u00fcbertrieben zu behaupten, dass sie alle traditionellen Modelle des Herabsteigens, der Inkarnation und der L\u00e4uterung [der Seele] auf den Kopf stellt. Die Seele ist nicht in einem K\u00f6rper inkarniert, um Potentiale, die sie von Anfang an besessen hat, zu realisieren; vielmehr ist es ihre Aufgabe, eine Umwandlung ihrer eigenen Substanz zu vollziehen und die in ihr schlummernden au\u00dferordentlichen Kr\u00e4fte zu entwickeln, indem sie die im K\u00f6rper vorhandenen Substanzen filtert und wohldosiert aufnimmt.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 22px; margin: 0 0 10px; display: block;\">Zusammenfassung<\/span><\/p>\n<p>Ostad Elahi elaboriert die Vorstellung des Philosophen-Arztes in einer noch deutlicheren Weise als Descartes selbst, der offen bekennt, \u201eweniger als Redner oder Moralphilosoph, denn als Physiker\u201c sprechen zu wollen. Die \u201enat\u00fcrliche Spiritualit\u00e4t\u201c, so Ostad Elahi, ist eine Medizin der Seele. Dem ist in erster Linie so, weil die Seele eine Sache ist. Man hat Descartes zur Gen\u00fcge kritisiert, weil er diesen Punkt besonders hervorhob und die Seele als \u201eres cogitans\u201c (denkende Sache) bezeichnete. Aber nur unter dieser Annahme l\u00e4sst sich ein Topos, eine Topologie sowie eine Typologie der Seele entwerfen.<\/p>\n<p>Was ist nun ein Ding, im allgemeinsten Sinn des Wortes, wenn nicht eine Qualit\u00e4t in Verbindung mit der Reichweite seiner Dimension? Diese Reichweite k\u00f6nnte entweder nur in der Vorstellung existieren \u2013 oder im genauen Sinn des Begriffs, wie Suhrawardi oder Mulla Sadra ihn verstehen, \u201eimaginal\u201c sein. Wir m\u00fcssen somit davon ausgehen, dass die Seele eine Sache ist, eine spirituelle Sache, eine imaginale Sache. Sie ist eine Multiplizit\u00e4t, die sich in der Vereinigung mit dem K\u00f6rper realisiert, die \u00fcber Teilbereiche, essentielle Bestandteile und eine komplette Struktur verf\u00fcgt und in Kontakt mit ihrer Umwelt steht. Die M\u00f6glichkeit eines spirituellen Realismus, der die geistige Dimension des Menschen weder auf einen Knochen noch auf eine immaterielle Substanz, die nicht mehr ist als ein Double des \u00e4therischen K\u00f6rpers, reduziert, scheint mir die elementare Fragestellung zu sein, die durch die vergleichende Lekt\u00fcre von Ren\u00e9 Descartes und Ostad Elahi aufgeworfen wird.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2086,"menu_order":3,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"side-navigation.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1551","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.3 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Descartes und Ostad Elahi - Ostad Elahi<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Descartes und Ostad Elahi - Ostad Elahi\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Ostad Elahi\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2023-03-01T19:06:24+00:00\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"10\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/\",\"url\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/\",\"name\":\"Descartes und Ostad Elahi - Ostad Elahi\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/#website\"},\"datePublished\":\"2013-01-21T08:49:07+00:00\",\"dateModified\":\"2023-03-01T19:06:24+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Philosophie\",\"item\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"Artikel &#038; Interviews\",\"item\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":4,\"name\":\"Descartes und Ostad Elahi\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/#website\",\"url\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/\",\"name\":\"Ostad Elahi\",\"description\":\"The official website on the life, work, and music of Ostad Elahi (1895-1974).\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/ostadelahi.com\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":\"required name=search_term_string\"}],\"inLanguage\":\"de\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Descartes und Ostad Elahi - Ostad Elahi","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Descartes und Ostad Elahi - Ostad Elahi","og_url":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/","og_site_name":"Ostad Elahi","article_modified_time":"2023-03-01T19:06:24+00:00","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"10\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/","url":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/","name":"Descartes und Ostad Elahi - Ostad Elahi","isPartOf":{"@id":"https:\/\/ostadelahi.com\/#website"},"datePublished":"2013-01-21T08:49:07+00:00","dateModified":"2023-03-01T19:06:24+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/ostad-elahi-descartes\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Philosophie","item":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Artikel &#038; Interviews","item":"https:\/\/ostadelahi.com\/philosophy\/articles-interviews\/"},{"@type":"ListItem","position":4,"name":"Descartes und Ostad Elahi"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/ostadelahi.com\/#website","url":"https:\/\/ostadelahi.com\/","name":"Ostad Elahi","description":"The official website on the life, work, and music of Ostad Elahi (1895-1974).","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/ostadelahi.com\/?s={search_term_string}"},"query-input":"required name=search_term_string"}],"inLanguage":"de"}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1551"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12261,"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1551\/revisions\/12261"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}