{"id":1536,"date":"2013-01-21T03:28:28","date_gmt":"2013-01-21T08:28:28","guid":{"rendered":"https:\/\/ostadelahi.com\/?page_id=1536"},"modified":"2023-02-28T14:48:22","modified_gmt":"2023-02-28T19:48:22","slug":"ethik-im-beruf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ostadelahi.com\/de\/leben\/richteramt\/ethik-im-beruf\/","title":{"rendered":"Ethik im Beruf"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><em>Der vorliegende Text beruht auf einem Vortrag zum internationalen Symposion \u201eDas Spirituelle: Pluralit\u00e4t und Einheit\u201c anl\u00e4sslich des hundertj\u00e4hrigen Geburtstags von Ostad Elahi und wurde begleitend in den Cahiers d\u2019Anthropologie, No. 5, Presses de l\u2019Universit\u00e9 de Paris-Sorbonne, Paris 1996, ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p>Lassen Sie mich zun\u00e4chst anmerken, dass der \u201aCour de Cassation\u2018 (Oberster Gerichtshof, Paris) ein ideales Forum ist, um sich ethischen und rechtlichen Themen zu n\u00e4hern. Es unterstreicht die Bedeutung, die der Ethik in juristischen und sozialen Angelegenheiten zukommt. Ostad Elahi, dessen hundertj\u00e4hrigen Geburtstag wir dieses Jahr feiern, nahm grunds\u00e4tzlich keine Trennung vor zwischen seinen pers\u00f6nlichen Analysen im Bereich der Ethik und seiner beruflichen Praxis als Richter. Er ging davon aus, dass die praktische Anwendung der Ethik nur die logische Fortsetzung seiner beruflichen Aktivit\u00e4ten war. Im Vorliegenden m\u00f6chte ich einige Elemente des Gedankenguts dieser Pers\u00f6nlichkeit, die im Westen bislang noch kaum bekannt ist, vorstellen, und bitte um Ihr Verst\u00e4ndnis, wenn wir aus Zeitgr\u00fcnden nicht auf seine Biographie eingehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_2 1_2 fusion-one-half fusion-column-first\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-bottom:0px;width:48%; margin-right: 4%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-2\"><p>Wie der ehrenwerte Pr\u00e4sident bereits erl\u00e4uterte, wird der Begriff \u201aEthik\u2019 in mehrfacher Bedeutung verwendet, was wir hier nicht weiter vertiefen m\u00f6chten. Im Vorliegenden wollen wir den Begriff im umfassendsten Sinn verwenden, als einen Verhaltenskodex, der auf festen und unver\u00e4nderlichen Prinzipien beruht und f\u00fcr die gesamte Menschheit G\u00fcltigkeit besitzt. Auch wenn diese Definition m\u00f6glicherweise nicht von allen geteilt wird, so ist es dennoch im Rahmen dieses Vortrags von Vorteil, sich auf ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis des Begriffs zu einigen. Daneben gibt es noch zwei weitere Konzepte, die f\u00fcr das Gedankengeb\u00e4ude von Ostad Elahi von grundlegender Bedeutung sind: Das Prinzip der Achtung der Rechte anderer (als direkte Konsequenz aus der Verteilungsgerechtigkeit) und das Billigkeitsprinzip.<\/p>\n<p>Ostad Elahi \u00fcbte den Richterberuf zwischen 1934 und 1957 in unterschiedlichen Provinzen des Iran aus. Er bekleidete mehrere richterliche \u00c4mter, darunter das des Untersuchungsrichters, des Staatsanwalts und des Pr\u00e4sidenten des Schwurgerichts. Als Jurist kennt man die Unterschiede zwischen dem Richteramt und dem des Staatsanwalts, und kann somit daraus schlie\u00dfen, wie global seine Sichtweise von diesen beiden komplement\u00e4ren Aspekten des Rechts gepr\u00e4gt sein musste. Das Richteramt sah er als eine der h\u00f6chsten gesellschaftlichen Positionen an, und betonte sogar, dass es zwei besonders ehrw\u00fcrdige Berufe gebe: den des Richters und den des Arztes. Wer sich nun mit den Statuten des Rechts befasse \u2013 so lassen sich die Aussagen Ostad Elahis interpretieren \u2013 , der w\u00fcrde sehr schnell erkennen, um wieviel schwieriger es sei, Recht zu sprechen, als eine Krankheit zu diagnostizieren: Der Richter m\u00fcsse nicht nur eine Situation beurteilen und die damit verbundenen relevanten Tatsachen interpretieren, sondern auch widerspr\u00fcchliche Interessen gegeneinander abw\u00e4gen \u2013 sowohl die Interessen beider Parteien als auch die der Allgemeinheit.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-2 fusion_builder_column_1_2 1_2 fusion-one-half fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;width:48%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-column-content-centered\"><div class=\"fusion-column-content\"><div class=\"fusion-image-element fusion-image-align-center in-legacy-container\" style=\"text-align:center;--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><div class=\"imageframe-align-center\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none img-border-20\"><img decoding=\"async\" width=\"650\" height=\"1350\" src=\"https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-window-n.jpg\" alt class=\"img-responsive wp-image-9805\" srcset=\"https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-window-n-200x415.jpg 200w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-window-n-400x831.jpg 400w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-window-n-600x1246.jpg 600w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-window-n.jpg 650w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 600px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-3 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-3\"><p>Zudem geht die Aufgabe eines Richters \u00fcber die simple und mechanische Anwendung von Gesetzestexten hinaus, denn diese erweisen sich oftmals als uneindeutig und l\u00fcckenhaft. Nichtsdestotrotz ist es seine moralische und berufliche Pflicht, Streitigkeiten zu schlichten. Das erfordert besondere F\u00e4higkeiten, wie Genauigkeit, Kompetenz, Gewissenhaftigkeit, aber auch das intensive Ringen und die feste innere Absicht, zu einem gerechten und unparteiischen Urteil zu gelangen. Dieses Ringen ist bei Ostad Elahi sehr deutlich sichtbar, vor allem in den Ratschl\u00e4gen, die er seinen Kollegen und seinen Freunden hinsichtlich der Aus\u00fcbung des Richterberufs gab. Ich zitiere: \u201eNach vier oder f\u00fcnf Jahren T\u00e4tigkeit in seinem Beruf gleicht der Richter einem erfahrenen Juwelier, der mit einem einzigen Blick ein Schmuckst\u00fcck bewerten kann. Genau wie der Juwelier erkennt der Richter sofort und unmittelbar den Schuldigen bzw. wei\u00df, mit wem er es zu tun hat. Es kommt daher \u00e4u\u00dferst selten vor, dass er ein Fehlurteil f\u00e4llt. Dies trifft aber, wohlgemerkt, nur auf jene Richter zu\u201c, f\u00e4hrt er fort, \u201edie sich um ein unparteiisches und integres Urteil bem\u00fchen.\u201c Man mag annehmen, das sei doch selbstverst\u00e4ndlich, aber es ist leichter gesagt als getan!<\/p>\n<p>Die erfolgreiche Aus\u00fcbung des Richterberufs beschr\u00e4nkt sich folglich nicht allein darauf, das notwendige Fachwissen und die erforderlichen Kompetenzen zu erwerben. Es ist vielmehr unverzichtbar, eine geistige Haltung immanenter Gerechtigkeit in sich zu entwickeln, denn diese innere Qualit\u00e4t wird den Richter in seinen Entscheidungen lenken und ihn gerechte Urteile f\u00e4llen lassen. Wie man sieht, ist das ein hoher moralischer Anspruch. Da der Richter Verhalten und Intention gleicherma\u00dfen beurteilt, ist er berechtigt, die sch\u00e4dlichen Auswirkungen einer gesetzlichen Regel zu korrigieren, die unter bestimmten Umst\u00e4nden m\u00f6glicherweise zu rigide ist und zu falschen Schl\u00fcssen f\u00fchrt, wird sie nicht mit dem notwendigen Augenma\u00df interpretiert und angewandt. Hieran k\u00f6nnen wir erkennen, dass die Rechtsprechung wahrlich ein Experimentierfeld ist und ein unsch\u00e4tzbares Instrument, um moralische Werte zu erwerben.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist es notwendig, einige Worte zur Verteilungsgerechtigkeit und ihren Folgen zu sagen, wie sie sich in Ostad Elahis Gedankensystem darstellen. Man mag sich fragen, wie die beiden unterschiedlichen Anforderungen an den Richterberuf in Einklang zu bringen sind: die pers\u00f6nliche Ethik einerseits und die juristische Praxis andererseits? M\u00f6glicherweise ist ein solcher Ansatz zu idealistisch, da es doch eine Reihe an Denkrichtungen gibt, die versucht haben, eine klare Trennung zwischen beiden Bereichen zu vollziehen. Trotzdem: Zielt das Gesetz nicht gerade darauf ab, jedem genau das zu geben, worauf er ein Recht hat, und auf diese Weise die \u00f6ffentliche Ordnung und die soziale Gerechtigkeit sicherzustellen? Ist das nicht die Definition von Verteilungsgerechtigkeit im eigentlichen Sinne: jedem das zu geben, was ihm zusteht?<\/p>\n<p>Diese Art von Gerechtigkeit anzuwenden, ist die zwingende Folge aus der Maxime, ein jeder habe die Rechte des Anderen zu respektieren. Diese Maxime repr\u00e4sentiert, wie ich betonen darf, ein zentrales Element der Grundprinzipien franz\u00f6sischen Rechts. Um zu idealer Gerechtigkeit zu gelangen, muss der Mensch das Recht eines jeden respektieren, weshalb die Fundamente einer solchen Gerechtigkeit nur metaphysisch sein k\u00f6nnen. Und damit kommen wir zum Kern dieser Er\u00f6rterungen. Denn jedes Wesen ist, kraft seiner Existenz, mit Grundrechten ausgestattet. Diese angeborenen Rechte (<em>intuitu personae<\/em> oder Naturrecht) erschaffen um den Menschen eine Sph\u00e4re, die von anderen nicht ignoriert werden kann.<\/p>\n<p>Denn letzten Endes ist es unvermeidbar, dass das Recht eines Gesch\u00f6pfes die Verpflichtung eines anderen nach sich zieht. Jeder Mensch ist also angehalten, die Rechte des Anderen zu respektieren. Das ist das Grundmuster, demzufolge die verschiedenen Rechte der Individuen artikuliert werden k\u00f6nnen; es zeigt dar\u00fcber hinaus die Notwendigkeit auf, geeignete Regeln aufzustellen, die bewirken, dass diese Rechte auch tats\u00e4chlich respektiert werden. Daher k\u00f6nnen Rechte und Pflichten nicht voneinander getrennt werden: wir haben Rechte, und wir haben Pflichten \u2013 beide Begriffe stehen in einer dialektischen Beziehung, der ein und dieselbe Idee zugrunde liegt. An diesem Punkt muss zu einer der Besonderheiten des Gedankensystems von Ostad Elahi Bezug genommen werden: Er betont, dass das Recht eines jeden Wesens anerkannt werden m\u00fcsse, also nicht nur das des Menschen, sondern auch das der Gegenst\u00e4nde, Tiere, Pflanzen usw. Diese Sichtweise darf jedoch nicht mit neueren utilitaristischen und speziesistischen Ans\u00e4tzen [in der Rechtstheorie] verwechselt werden, da Ostad Elahi klar zwischen Person und Sache [bzw. zwischen dem Menschen und vorherbestimmten Wesen] unterscheidet. Allein der Mensch hat einen freien Willen verliehen bekommen, der ihm erlaubt, Unterscheidungen zu treffen \u2013 die auch zu Fehlern f\u00fchren k\u00f6nnen. Der freie Wille ist somit eine irreduzible Dimension. So gesehen verwundert es nicht, wenn Ostad Elahi sagt: \u201eDer Grundpfeiler des Lebens in dieser Welt ist, das Recht des Anderen zu respektieren.\u201c Nur wenn dieses Prinzip eingehalten wird, kann eine Gesellschaft optimal funktionieren, und nur dann kommt eine Rechtsprechung zur Anwendung, in deren Zentrum die Achtung der Rechte steht und nicht eine intuitive Mischung aus wohlwollenden Gef\u00fchlen und ehrbaren Absichten. Ein solcher Rechtsbegriff erfordert nat\u00fcrlich eine genaue Einsch\u00e4tzung der individuellen Situation, wobei sich von selbst versteht, wie sehr die Komplexit\u00e4t des jeweiligen Sachverhalts ber\u00fccksichtigt werden muss und welch extreme Genauigkeit in Hinblick auf die Pr\u00fcfung der vorliegenden Fakten erforderlich ist. Die Entscheidung des Richters muss von der st\u00e4ndigen Intention geleitet sein, die Rechte eines jeden zu achten.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-4 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-column-content-centered\"><div class=\"fusion-column-content\"><div class=\"fusion-image-element fusion-image-align-center in-legacy-container\" style=\"text-align:center;--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><div class=\"imageframe-align-center\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-2 hover-type-none img-border-20\"><img decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"740\" src=\"https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-items-n.jpg\" alt class=\"img-responsive wp-image-9809\" srcset=\"https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-items-n-200x123.jpg 200w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-items-n-400x247.jpg 400w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-items-n-600x370.jpg 600w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-items-n-800x493.jpg 800w, https:\/\/ostadelahi.com\/wp-content\/uploads\/expo-1995-work-items-n.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 1200px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-5 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-4\"><p>Nun w\u00fcrde ich gerne noch auf einen zweiten Begriff eingehen, den der Billigkeit. Durch seine au\u00dferordentliche Integrit\u00e4t und sein beharrliches Bem\u00fchen um \u201adas Gerechte\u2018 hat Ostad Elahi sich den Respekt von Richtern, Anw\u00e4lten und allen beteiligten Parteien erworben. An dieser Stelle darf ich Fran\u00e7ois Ameli begr\u00fc\u00dfen, der Professor an der Juristischen Fakult\u00e4t der Sorbonne ist, und dessen Vater in seiner Funktion als Justizminister die Gelegenheit hatte, Ostad Elahi kennenzulernen. Wir haben im Vorfeld des Symposions miteinander diskutiert, und er sagte mir, wie sehr Ostad Elahi diese Beharrlichkeit und diese ethische Orientierung als Ma\u00dfstab angesehen hat, von dem er sich in seinem t\u00e4glichen Leben und im Beruf leiten hat lassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Aristoteles dr\u00fcckte sich Billigkeit in dem Bem\u00fchen aus, einen Ausgleich zu finden zwischen der abstrakten Aussage des Gesetzes und der Auslegung desselben in einem konkreten Fall. Billigkeit steht somit immer in enger Verbindung mit der schwierigen Praxis der Urteilssprechung, also einer Praxis, die sich nicht ausschlie\u00dflich auf die Buchstaben des Gesetzes berufen kann. Vielmehr m\u00fcssen in jeder konkreten Situation die Interessen aller Beteiligten minuti\u00f6s gepr\u00fcft werden, bevor die Entscheidung mit R\u00fcckgriff auf die gesetzlichen Grundlagen getroffen werden kann. Folglich ist die Billigkeit eine Praxis, die untrennbar ist von einer spezifischen pers\u00f6nlichen Geisteshaltung, die Gerechtigkeitssinn und inneren Gleichmut einschlie\u00dft \u2013 entsprechend der urspr\u00fcnglichen Idee von \u201aAequitas\u2018 [lat. f\u00fcr Gleichheit, Gleichma\u00df, Gelassenheit, Gleichmut]. Damit sto\u00dfen wir auf einen weiteren, ebenso wichtigen Aspekt, die ausgleichende Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Wie jeder von uns bezeugen kann, gibt es de facto Ungleichheiten. Nun liegt es aber im Verantwortungsbereich der Justiz \u2013 und hier stimme ich erneut mit dem Pr\u00e4sidenten Pierre Drai \u00fcberein [dem Moderator des Symposions und einer bekannten Pers\u00f6nlichkeit der franz\u00f6sischen Justiz], der bereits Professor Jean Carbonnier zitiert hat [einen Rechtswissenschaftler, der viele Reformen des franz\u00f6sischen Justizystems durchgef\u00fchrt hat] \u2013, diese Ungleichheiten zu korrigieren, indem sie durch die Aufhebung der Ungleichheit \u2013 also durch nichts anderes als durch Kompensation \u2013 Gleichheit herstellt. Ostad Elahis Verhalten demonstriert diesen Aspekt auf hervorragende Weise, da seine besondere Aufmerksamkeit denen galt, die bed\u00fcrftig oder schwach waren, wie Minderj\u00e4hrige oder Waisen, und die den besonderen Schutz des Gerichts ben\u00f6tigten. In der Folge wird Diskriminierung, die h\u00e4ufig Groll, Emp\u00f6rung und Aufruhr hervorruft, zugunsten von Gleichgewicht und M\u00e4\u00dfigung ersetzt \u2013 gem\u00e4\u00df einer Maxime, die Ostad Elahi sich zu eigen machte: Der beste Weg ist der Goldene Mittelweg. Dieser Mittelweg bzw. diese Form der M\u00e4\u00dfigung sollte nicht als fauler Kompromiss oder Schw\u00e4che missdeutet werden. Im Gegenteil, diese Mitte stellt den Gipfel dar. Er wird nur um den Preis einer echten inneren Reinigung erreicht und ist die Vollendung der Grundprinzipien der Ethik. Neben der Ausgleichsfunktion, die der Billigkeitsgrundsatz hat, betont Ostad Elahi auch die Bedeutung von aufrichtiger Menschlichkeit und echtem Mitgef\u00fchl \u2013 was der Grund sein mag, dass er niemals die Todesstrafe verh\u00e4ngt hat, selbst wenn das Gesetz es erlaubte.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend sollen noch einige Worte zu den philosophischen Grundlagen der Rechtspraxis von Ostad Elahi gesagt werden. Diese Praxis hat ihren Ursprung im Inneren des Menschen, n\u00e4mlich in seinem Bewusstsein. Wenn wir diese Grundlagen n\u00e4her studieren, kommen wir nicht umhin, die eigentliche Natur des Bewusstseins zu erforschen \u2013 was uns letztendlich zu der Frage nach dem metaphysischen Sinn des menschlichen Daseins f\u00fchrt. Um dieses wichtige Thema zu er\u00f6rtern, w\u00fcrden wir jedoch mehr Zeit ben\u00f6tigen als einen einzigen Vortrag.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2076,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"side-navigation.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1536","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v20.3 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Ethik im Beruf - Ostad Elahi<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/ostadelahi.com\/life\/judiciary\/professional-ethics\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Ethik im Beruf - 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